Hier finden Sie von Mai 2017 an alle Berichte von unseren Leseabenden

Protokoll Lesung 8. Mai 2018

Am 8. Mai gab Hannelore Begerow den Zuhörern im Mephisto einen ganz persönlichen Einblick in ihre Familiengeschichte, als sie aus ihrem Buch „Kein Brief aus Karibib“ vorgelesen hat. 60 Briefe ihres Bruders und ihre eigenen Erlebnisse bei ihren Reisen nach Namibia und Südafrika sind die Grundlage für einen Erlebnisbericht, der nicht nur das Leben ihres Bruders nachzeichnet. Anlass für dieses Buch war der überraschende Selbstmord ihres Bruders 1996. Hannelore machte sich damals auf den Weg nach Namibia – auf Spurensuche – sie wollte wissen, warum ihr Bruder diesen endgültigen Weg aus dem Leben gewählt hat. Die Reise wird nicht nur zu einem Rückblick auf sein Leben, das gekennzeichnet war durch viele Auf und Abs. 1954 entschließt sich der damals 19jährige aus Oldenburg wegzugehen und nach Südafrika auszuwandern, weil er glaubt, dort bessere Chancen zu haben. Er will in der Fremde Abitur machen und später studieren. Jahre später findet er eine neue Heimat in Karibib in Namibia und entwickelt eine tiefe Liebe zu dem afrikanischen Land. Und er steckt seine Schwester mit dieser Liebe an. Sie beschreibt nicht nur die Geschichte ihres Bruders, sie erzählt auch gleich die Geschichte zweier Länder - Südafrika und Namibia, geht immer wieder weit zurück, um dem Leser Land und Leute näherzubringen. Und am Ende wird auch klar, warum Hannelore Begerow dieses Buch geschrieben hat: Weil kein Brief mehr aus Karibib kommen wird und sie die Geschichte ihres Bruders festhalten wollte. Ihr Anliegen zu zeigen, dass eine Auswanderung nicht einfach ist, hat sie den Anwesenden vermittelt, und ihre Verbundenheit mit Namibia und den Menschen dort konnte man als Zuhörer an diesem Abend zu jeder Zeit spüren. 

Nach der Lesung hat Marlies Folkens aus dem Manuskript ihres neuesten Projektes vorgelesen, einer Geschichte über Seelenverwandte, Seelenwanderung und Geschichte. Sie steht noch ganz am Anfang. Der alles überspannende Bogen – die Verbindungen zwischen den einzelnen Geschichten – ist ihr noch nicht klar, was dann auch rege mit den Leseforum-Mitgliedern diskutiert wurde. Fazit: Wir sind gespannt was daraus wird – es wird auf jeden Fall anders als die bisher erschienenen Bücher von Marlies.

Am Samstag, 21.4.2018, fand zur Aktionswoche zum Welttag des Buches eine Lesung to go in der Stadtbibliothek Oldenburg mit 8 AutorInnen vom Leseforum Oldenburg statt.

Es war die dritte Veranstaltung dieser Art in Folge in Kooperation mit der Stadtbibliothek.

Es lasen: Ilka Silbermann, Hanna Seipelt, Andrea Wendeln, Rolf Glöckner,Anita Jurow-Janßen, Petra Keup, Sylvia Didem, Marlies Peters.

Foto:Rolf Glöckner

Bericht über die Lesung von Barbara Delvalle am 10.4.2018

von Hannelore Begerow

Barbara Delvalle las aus ihrem Roman: „Die Heukeroth-Schwestern.

Die Autorin stellte zuerst die Hauptpersonen vor: drei Schwestern und einen Dreizehnjährigen, der ein Opfer des Erbgesundheitsgesetzes werden soll.

Die Geschichte beginnt nämlich im Spätherbst 1943 in Oldenburg und die Auswirkungen der Herrschaft der Nationalsozialisten werden sehr deutlich. Der junge Erich hatte mal einen epileptischen Anfall und soll sterilisiert werden. Zwei der Schwestern suchen Hilfe bei einem Rechtsanwalt, aber der darf ihnen nicht helfen, sonst droht ihm der Entzug seiner Zulassung. Die Tanten flüchten mit dem Jungen nach Kassel. Niemand soll ihn finden. Doch in Kassel geraten sie in die Zeit der schlimmsten Bombenangriffe auf diese Stadt. Die Autorin beschreibt, wie hilflos und verzweifelt Menschen sich fühlen, angesichts der totalen Zerstörung dieser Stadt. Die Autorin schildert es so lebendig, als sei sie selbst dabei gewesen. Jeder Zuhörer fühlt mit ihr und will, dass es nie wieder Luftangriffe gibt und nie wieder Krieg.

Elisabeth Drab herzlichen Dank für diesen schönen Bericht über die gestrige Lesung:
"Andrea Wendeln liest aus ihrem Regional-Krimi "Keine Reue" am 13. März 2018 um 19 Uhr im Mephisto

Nomen est Omen. Folgt man der Resonanz, zeigten die Besucherinnen und Besucher keine Reue, der Lesung von Andrea Wendeln im gut besetzten Veranstaltungsraum des Mephisto gelauscht zu haben.
Nachdem Wolfgang Wulf die 1967 in Oldenburg geborene Autorin, die seit ihrer Jugend sowohl Lyrik als auch Kurzprosa schreibt, vorgestellt hatte, konnten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer davon überzeugen, dass Andrea Wendeln auch in der Langform ein beachtliches Debüt vorzuweisen hat. 
Mit überleitenden Kommentaren versehen las die Autorin Auszüge aus ihrem Erstlingswerk im Krimigenre. Ein zweiter Lokalkrimi, so die Ankündigung auf dem Flyer des im Midnight-Verlag erschienenen Romans, ist bereits in Entstehung.
Heide Rose und ihr neuer Kollege Peter Grahne ermitteln im Mordfall Uwe Rösker. Es handelt sich um ein ungleiches Ermittlerduo. Rose, eine zierliche Person, eigentlich zu klein für den Polizeidienst, aber erfahren im Kampfsport, der ihr Respekt und nicht zuletzt auch den Job als Hauptkommissarin verschaffte, sowie Grahne, ein fast zwei Meter großer Psychologe, der auf Yoga und Meditation schwört und endlich die Realität den Praxisräumen vorziehen kann, ermitteln in ihrem ersten Fall. Die Handlung beginnt nicht, wie man es vielleicht in einem Krimi erwartet, in medias res, sondern es werden in Wendelns Roman zunächst die Protagonisten so gezeichnet, dass die Zuhörenden ihrem Kopfkino sofort freien Lauf lassen können. Welchen Herausforderungen müssen diese kurios erscheinenden Figuren standhalten? Nach der Schilderung ihrer Charaktere in verschiedenen Anekdoten stellt sich diese Frage zwangsläufig und erzeugt den nötigen Spannungsbogen, der hinführt zur Ermordung von Uwe Rösker, des Bürgermeisters von Wardenburg. 
Der dann aus der Opferperspektive detailliert beschriebene Mord, stellt die Hauptkommissarin und ihren Kollegen vor eine große Aufgabe. 
Der Roman verspricht Spannung und nicht zuletzt durch szenisch geschriebene Parallelhandlungen vielversprechende Unterhaltung.
Nach dem Vortrag erläuterte die Autorin in einer Gesprächsrunde, warum sie ein so gegensätzliches, von der „Norm“ abweichendes Ermittlerduo schuf und welche Phantasien der sehr genau beschriebenen Mordszene zugrunde lagen. Beim Schreiben entwickelte sich die Handlung und das Ungewöhnliche sowie die Originalität hätten für sie den Ausschlag gegeben, so die Autorin am Schluss der Lesung.
Elisabeth Drab, 13. März 2018"

Bericht zur Lesung von Elisabeth Drab am 13.02.2018

   „An jedem Morgen streif ich neue Tage der Ungewissheit über meine Haut.“ So beginnt das Großgedicht „Tagekleider“, mit dem Elisabeth Drab die knapp zwanzig Zuhörer in den Bann zog.

   Zunächst stellte Wolfgang Wulf ihr bisheriges Werk vor. Nach dem viel beachteten Sonettenkranz „Windwechsel“ (2011) erschien 2014 der literarische Jahresbegleiter „Konkret verdreht im Alphabet“ und 2017 ihr Meisterwerk „Tagekleider“.  

   Hierbei handelt es sich um ein Stanzengedicht, eine strenge Gedichtform, die aus der Renaissance stammt, wobei jede Stanze aus acht zehn- oder elfsilbigen Verszeilen besteht. Jede neue Stanze beginnt mit der letzten Zeile der vorigen. Ihre Stanzen sollen den Gedanken Raum geben und das gelang Elisabeth Drab auf höchst beeindruckende Weise, sowohl inhaltlich als auch durch ihren perfekten Vortrag.

   Langsam, ruhig, eindringlich und die jeweilige Stimmung modulierend trug sie die achtunddreißig anspruchsvollen Stanzen vor. „Mit weicher Stimme höre ich sie singen“, gemeint ist die Lampenfrau, und genauso weich und zart machte die Verstärkeranlage diesen Eindruck möglich. Gleich danach wurde mit „und plötzlich zeigt sie ihre Vogelschwingen“ eine gewaltige Kraft entfesselt.

   „Ich lerne nähen aus den Zeitgeschichten …“. In wunderschönen Bildern und Metaphern entführte uns die Sprachkünstlerin auf eine Lebensreise. Die Verse eröffnen über das „lyrische Ich“  weite Deutungsräume. Dies gelang ihr auf einem sehr hohen Niveau. Eindrucksvoll ist die Leichtigkeit, mit der Elisabeth Drab die strengen Vorgaben der Stanzenform erfüllt, „schneidert“, um im Thema zu bleiben. Aus Erinnerungsschichten und Stoffen, die das Leben hervorbringt, webt sie ihre „Tagekleider“. Die formale Herausforderung, Metrum und Rhythmus einzuhalten, wie auch das Ringen um sprachliche Genauigkeit bei gleichzeitigem Öffnen inhaltlicher Freiheit, lassen die intensive Arbeit und Auseinandersetzung erahnen. Wortschöpfungen wie „Zeitherbarium“ und „Traumkaleidoskop“ lassen Fantasie und eigenen Gedanken immer wieder großen Raum. Das Stanzengedicht endete ebenso offen, wie es begonnen hatte.

   Ein wichtiger Teil des Vortrags waren die musikalischen Einschübe, einfühlsam auf der Gitarre vorgetragen, die passend zu den imaginären Bildern Elemente von Ragtime, Bossa Nova oder Sting-Klassikern enthielten und den Zuhörern Gelegenheit zum Innehalten gaben.

   Der lang anhaltende Beifall zeigte die große Begeisterung des Publikums. Lobende Kritik und einige Sachfragen rundeten die Lesung ab. Elisabeth Drab wies abschließend auf ihre Homepage hin, auf der Links auf die Sendung „LokalLesung“ und die Radiosendung „Bücherwelten“, ebenfalls auf Oeins, zu finden sind. Die Sendungen porträtieren die Autorin.

   Es war ein ganz besonderer Abend, der noch lange nachwirken kann, vor allem, wenn man den Text in die Hand nimmt, um immer wieder neue Bilder und Vorstellungen zu entdecken.

(Marlies Peters)

Bericht zur Lesung von Marlies Peters im Leseforum am 9.1.2018 von Swantje Sagcob

Das Leben rückwärts verstehen und vorwärts leben, ist gar kein so ungewöhnliches Ansinnen. Aber nicht jeder begibt sich dabei auf eine so intensive Reise wie Marlies Peters. Zwei Jahre lang recherchierte die Autorin intensiv mit viel Engagement und verschiedenen Mitteln die eigene Familienchronik, ehe dann in einem weiteren Jahr ihr neuer Roman „Mein Herz, mach Frieden!“ entstand. 

Bereits in ihrem ersten Buch über ihre Kindheitserinnerungen war sie neben der kindlichen Unbeschwertheit einerseits auf viele unverständliche Dinge im Leben ihrer Eltern gestoßen, die damals nicht erklärt wurden. „Ich wollte die Geschichte meiner Eltern - und damit auch meinen eigenen Lebensweg - besser verstehen und herausfinden, was sie erlebt hatten“, erklärt Marlies Peters. Zwar hatten ihre Eltern nie über die Kriegserlebnisse und was sie in dieser Zeit bewegte gesprochen, aber durch das Tagebuch ihres Vaters seit 1944 wurde sie Zeugin vieler persönlicher Gedanken und Gefühle. Trotz intensiver Recherche blieben Lücken, die sie mit historischem Wissen und künstlerischer Freiheit zu füllen versteht. 

So intensiv sie sich und auch den Zuhörer in die Romanfiguren hineinzuversetzen vermag, so spannungsreich die Fäden dieser authentischen Geschichte gesponnen werden, so überzeugend gelingt Marlies Peters auch eine unglaubliche Lebendigkeit. Mit einer wunderbar deutlichen Sprache - angelehnt an die damalige Zeit, versteht sie es, mit den verschiedenen Episoden aus dem Leben ihrer beiden Hauptprotagonisten Irmi und Werner parallel ein lebhaftes Szenario aufzubauen. Nach und nach entsteht so ein fesselndes Mosaik aus Ereignissen, Gedanken und Gefühlen. Immer wieder taucht der Zuhörer in die verschiedenen Lebenswelten intensiv ab - mal in Posen oder Birnbaum - zugleich deutsch-polnische Grenzgeschichte, mal an der Kriegsfront in Russland bis hin zur Invasion der Alliierten in der Normandie und er wird durch das eigene Mit-Erleben auch hautnah mit den widersprüchlichen Fragen der damaligen Zeit konfrontiert. Beispielhaft am Einzelschicksal ihrer so nahestehenden Romanfiguren nimmt Marlies Peters die Zuhörer (und davon hatte sie mit 35 Gästen beim Leseforum reichlich) zugleich mit auf eine Reise in die deutsche Geschichte mit Kriegserlebnissen, Heimatsuche und (Familien-)Frieden. Ein gelungenes Experiment, die eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten und zugleich eine spannende Dokumentation deutscher Zeitgeschichte darzustellen. Gelungen ist der Autorin auch, ihr Leben rückwärts neu zu verstehen und im Nachhinein viel mehr Mitgefühl für das Leben und Wirken ihrer Eltern zu entwickeln. 

An ihrem fertigen Manuskript vom Sommer 2017 feilt sie bisweilen noch bis heute, da sie weiterhin auf der Suche nach einem passenden Verlag ist.

Sehr gelungen ist Manfred Brüning auch die Moderation dieser Lesung, dessen zahlreiche positive Reaktionen sich im Bericht wiederfinden.

Bericht zu Swantje Sagcobs Gedanken-Gedichte-Lesung von Petra Keup

Das Leseforum Oldenburg traf sich am 12. 12. 2017 zu einer Weihnachtsfeier auf der Swantje Sagcob ihre Gedanken-Gedichte vorstellte.

Swantje Sagcob machte in ihren gelesenen Texten aus dem Manuskript, das zurzeit noch zwei Arbeitstitel hat, nämlich „Auch Tränen sind reich“ und „Der Himmel dahinter ist blau“, deutlich, wie Seelenstimmungen und Naturerlebnisse sich verbinden können.

In den Gedanken-Gedichten brachte sie eigene Gedanken und Gefühle zum Ausdruck, die wohl jeder Zuhörer auch aus eigener Erfahrung lebendig nachempfinden kann. In wessen Leben verläuft schon dauerhaft alles nur glücklich? Lebenskrisen gehören nun mal zum ganz alltäglichen Leben dazu. Wie diese aber überwunden werden und was die Bilder der Natur dabei für eine Hilfe sein können, war in den von Swantje Sagcob vorgetragenen kurzen Texten immer wieder zu entdecken. So entstanden ihre ersten Texte auch direkt in der Natur.

Wenn Swantje Sagcob, die diese Arbeit im Sommer 2016 unter dem Ansatz Gefühle-Gedanken-Gedichte angegangen ist, es als eine echte Herausforderung beschrieb, sind ihr sehr mutige und vor allem schöne bildhafte Texte gelungen. Die Zuhörer konnten in den vorgetragenen Texten erkennen, wie nah doch die Bilder der Natur unserer Seele sind.

„Wenn das Glück zerbricht, verdecken die Wolken das Blau.“

„Ebbe und Flut – Alles ist da, dann ist alles wieder weg, und trotzdem bleibt nichts gleich hinterm Deich.“

„Nebel – Vernebelt sein.“

„Bäume, Baumwurzeln – Die Seele baden lassen im Wald. Verwurzelt und verbunden sein, wachsen wie ein Baum.“

„Gedanken wie Wolken behandeln.“

„Wind und Wellen – Sich auf und ab tragen lassen.“

Wunderbare Naturbeispiele, die sich mit unserem Seelenleben verbinden und  Erkenntnisse bringen. Auf diese Weise können Fragen nach dem Sinn einer Lebenskrise eine Antwort erhalten.

Auf eine Buchveröffentlichung, die dann nicht nur Texte sondern auch Bilder dazu enthalten wird, dürfen alle gespannt sein. Neben einer Gedanken-Dichterin ist Swantje Sagcob nämlich auch eine Fotografin.

Leseabend am 14. November 2017  - Elli Nohr liest aus „UNTERWEGS“

Dies ist ein sehr subjektiver Bericht über eine interessante Lesestunde mit Elli Nohr aus Ganderkesee, die ihre Zuhörer mit den gelesenen Texten begeistern konnte.

Kurz zu ihrer Biografie:

Als gelernte Buchhändlerin aus Süddeutschland nach Delmenhorst kommend, hat sie dort irgendwann eine Ausbildung zur Weberin (mit Meistertitel) gemacht und war in diesem Metier auch aktiv, bevor sie sich in ihren späteren Lebensjahren (bis dato) als Betreuerin Demenzkranker befasst – eine weite Lebensstrecke des Unterwegsseins, von ihr mit Bravour gemeistert.

Viele Reisen in nahe und ferne Ländern haben ihre Persönlichkeit und damit auch ihre literarische Arbeit geprägt.

Die Erzählung mit dem Titel „Morgendämmerung“ eröffnet den Reigen der vorgetragenen Erzählungen, die ihre Zuhörer immer in eine Stimmung versetzen, die sie emotional das Erzählte nachempfinden lässt. Wer schon einmal in einem arabischen Land oder in Israel, wo die Geschichte spielt, war, kann sofort, schon nach den ersten Zeilen, die Stimmung der Menschen und der Atmosphäre spüren, nachfühlen. Für den Verfasser dieser Zeilen war die Passage mit der Verständigung zwischen der alten Frau und den jungen Menschen ohne das Verstehen der jeweiligen Sprach besonders eindrücklich – nicht die Worte, sondern die gegenseitige Empathie können Handeln bewirken.

Die zweite Erzählung mit dem Titel „Gotland – die Schatzinsel“ führt in eine völlig andere Region der Welt, ins anscheinend kalte, unwirtliche Gotland. - eine schwedische Insel, die allgemein als kalt und unwirtlich beschrieben wird. Die Autorin jedoch empfindet, und der geneigte Leser/Zuhörer mit ihr, den Zauber dieser Insel mit blühenden Feldern kleiner Orchideen, sturmgepeitschen Küsten und einer historischenen Vergangenheit (Seeräuber Störtebeker und seine Viktualienbrüder) – für die Autorin eine liebenswerte Insel mit reich geschmückten Kirchen und wunderbaren Stränden.

Als dritte Erzählung hörte das aufmerksame Auditorium die Geschichte „Neuschnee“, auch diese mit eigenem Erleben verbunden.

Nach einem mühevollen Aufstieg durch Regen, Schneematsch, Geröll und schließlich in die Sonne über den Wolken gelangend erlebt der Protagonist, ein jüngerer Mann, durchaus bergerfahren, den Zauber des Gesanges des Gletschers, auf dem er die Nacht verbracht hatte. Dieser Gesang, der in alter Zeit durchaus Geistern und anderen Fabelwesen zugeordnet wurde, geht in dieser Erzählung tief in die Seele des Wanderers, bleibt ihm auch nach der Rückkehr in feste Unterkunft erhalten.

In einem völlig anderen Umfeld spielt die letzte der vorgetragenen Erzählungen mit dem Titel „Die Reisenden“:

In einem Pflegeheim für unter Demenz leidenden Patienten wird eine 97-jährige Patientin betreut. Wie bei diesem Krankheitsbild häufig, ist sie ständig in den Fluren des Heimes 'auf der Wanderschaft', rastlos ist sie wohl rund um die Uhr unterwegs, hat die Sprache. Fixpunkt ihres Tagesablaufes ist jedoch das Zusammentreffen mit ihrem fast 100-jährigen Ehemann, mit dem sie während ihres Beisammenseins ihre Reisen durch die Flure und Gänge des Pflegeheims fortsetzt.

Der alte Mann besucht, wenn auch hin und wieder widrige Umstände ihn daran zu hindern versuchen, regelmäßig, täglich, mit dem Zug anreisend, seine Liebste.

Wer die beiden alten Menschen sieht, empfindet sie als ein in tiefer Zuneigung zueinander verbundenes schönes Paar.

Resümee: Ein wunderbarer, gelungener Abend, meint Karl-Heinz Knacksterdt

  

3.Autoren-Lesemarathon vom Leseforum Oldenburg mit musikalischer Umrahmung durch Schüler der Musikschule S. Heilig

OLDENBURG Literatur und Musik im PFLZahlreiche Besucher wurden am Sonntag, 22.10.2017, ins PFL gelockt, um den Lesungen von zehn Autorinnen und Autoren des Leseforums Oldenburg zu lauschen. Das Angebot des 3. Oldenburger Lesemarathons, der vom Literaturbüro Oldenburg unterstützt wurde, war reichhaltig. Die Zuhörer konnten sich Thriller und Liebesroman, Kinderbuch und Lyrik, Lebensgeschichten und Fantasy, Kurzgeschichten und eine Sammlung von Texten über Weltmusik anhören. So war für jeden etwas dabei.Eine besondere Bereicherung des Programms stellten die jungen, meist preisgekrönten Musikerinnen und Musiker der Musikschule Sieglinde Heilig dar, die zwischen den Lesungen mit großem Engagement und hoher künstlerischer Reife kurze Musikstücke darboten. Dazu gehörten Flötenensembles, Gitarren, Klavier und als besondere Attraktion eine chinesische Kniegeige.Ein reichhaltiger Büchertisch mit Werken der Autoren und eine Tombola zugunsten der interkulturellen Arbeitsstelle Ibis e.V., für die das Leseforum Oldenburg Spenden sammelt, rundeten die lange Veranstaltung ab.

              

Am Sonntag, 8. Oktober 2017, stellte sich das Leseforum Oldenburg, vertreten durch sieben AutorInnen, auf dem Indian Summer im Natursteingarten Dubiel in Westerholtsfelde vor.

Ein zauberhaftes Ambiente umgab unseren Lesepavillon mit Skulpturen, Brunnen, Buchsbaum-Hecken und vielen schönen Dingen mehr. Jeweils

zur vollen Stunde riefen wir mit unserer Klangschale Zuhörer zu uns

und diese konnten dann jeweils 10 Minuten lang ganz unterschiedlichen Geschichten lauschen.

Um 11 Uhr las Alexandra Schwarting aus ihrem Roman „Gefangen – im Mantel aus Rosmarin und Lavendel“, um 12 Uhr gab Hanna Seipelt zwei Geschichten aus ihren „Neue(n) Oldenburger Sagen“ zum besten. Um 13 Uhr erzählte Marlies Peters aus ihrer Kindheit „Als die Sommer noch richtig lang waren“. Um 14.00 Uhr konnte man Anita Jurow-Janßen lauschen, die mit „Toxicus“ ihren Thriller vorstellte. Um 15 Uhr gab es mit den deftigen Geschichten von Klaus Fuhrmann aus „Mal so und mal so“ etwas zu schmunzeln. Um 16 Uhr entführte Jane Beswick-Mikorey die Zuhörer einmal nach „Dubai – hin und zurück“. Den Abschluss machte dann ein Kapitel aus „Wächter des Lichts“ von Annika Berghaus.

Die Sonne spielte mit, so dass es ein rundum gelungener Tag war.

Bericht vom Leseabend am 10. Oktober 2017mit Inge Ried

Manchmal werden wir unserem Grundprinzip untreu, Neu-Autoren bei uns die Gelegenheit zu geben, erste Leseerfahrungen zu machen.

Manchmal laden wir auch bereits erfolgreiche AutorInnen ein, damit wir an ihrem Beispiel lernen können!

Am Dienstag, 10. Oktober , war das wieder einmal der Fall. Wir hatten die Schriftstellerin Inge Ried zu Gast, die dem Freien Deutschen Autorenverband (fda-nord ev.) angehört, und im Jahr 2008 die monatlich jeweils am ersten Mittwoch stattfindenden Lesungen in der Remise der Klostermühle Hude begründet hat.

Inge Ried schrieb 2001 ihren ersten Roman und veröffentlichte danach viele Kurzgeschichten in Anthologien, die breites Interesse fanden. Beim „Tatort Wardenburg“ erlangte sie dann 2005 den ersten Preis mit ihrer Geschichte „Alles aus Liebe“ (aus Band 4). Neben einem Sachbuch zum Thema Trauerarbeit entstand dann später ein Buch mit Kurzkrimis. Der Titel: „Nachts“. Die Autorin brachte uns daraus die Geschichte „Das Geheimnis“ zu Gehör.

Wir konnten dabei auch gleich zu Beginn etwas lernen: nämlich, wie man eine Lesung interessant und spannend gestaltet. Zuerst durfte eine Zuhörerin aus mehreren Umschlägen wählen, darin befand sich ein Hinweis, welche Geschichte an diesem Abend gelesen werden solle. Die war dann recht geheimnisvoll, wie auch der Titel verhieß. Beim Thema Krimi denkt man ja eigentlich immer gleich an ein Verbrechen und will an der Aufklärung teilhaben ..

Hier jedoch ging es zunächst um einen Schriftsteller, der eine Schreibblockade hat und dem von seinem Verleger wird sein neues Manuskript abgelehnt wird. Er ist frustriert, enttäuscht, hat Sorge um seine Zukunft. Eher zufällig nimmt er ein Buch eines Autorenkollegen zur Hand und erkennt den Text als Pendant zum Text aus einem anderen Buch von einem anderen Schriftsteller. Genial sind die Texte übernommen und enthalten lediglich jeweils gegenteilige Beschreibungen.  Kurz überlegt er, ob er das vielleicht auch tun solle – einfach abschreiben und geringfügig verändern?

Die Geschichte nimmt eine verblüffende Wendung und läuft auf eine Erpressung hinaus: „Ich weiß, wie Ihr letzter Bestseller entstanden ist!“ Geld soll im Abfallbehälter am Bahnhof an Gleis 3 deponiert werden..

Natürlich erfuhren wir nicht, wie die Geschichte endet, die Spannung blieb erhalten!

Das Interesse der Zuhörer war groß und die Geschichte und der Vortrag haben uns gefallen. Gern werden wir Inge Ried nacheifern - aber die Idee aus der Geschichte, Texte zu stehlen, sie geringfügig zu verändern, um damit endlich den Bestseller zu landen, -  das werden wir sicher nicht nachahmen!

Bericht: Hanna Seipelt

 
Bericht vom Leseabend am 12.9.2017
Wir hatten einen vergnüglichen Abend! Rita Roth las uns aus ihrem Band:
"Sanddornküsse & Meer". Es war die erste Lesung daraus - aber beileibe nicht die erste Lesung der Autorin. Sie las routiniert, und erzählte uns vorher aus ihrem Leben und vom Beginn ihres Schreibens. Als Beamtin bei der Telekom „frühpensioniert“, begann sie mit dem Verfassen von Kurzgeschichten. Insgesamt sind das fünfundzwanzig „100-Wort-Geschichten“ geworden, z.B. mit dem Titel „Meeresgeflüster“ oder „Nicht alle Tassen im Schrank“, wobei die Überschrift bei den 100 Worten natürlich nicht mitzählt. Sie hat damit an Wettbewerben teilgenommen und auch einen Preis gewonnen, und sie dann als E-Books veröffentlicht. Eine dieser Geschichten, zur nachfolgenden Norderney-Erzählung passend das „Meeresgeflüster“, las sie uns zum Beginn. Schöne Lyrik, angenehm zuzuhören.
Rita Roth berichtete uns dann, wie sehr sie Norderney liebe und da ist es naheliegend, dass sie von dieser Insel erzählt. Sie macht das auch in der Ich-Form, und es wird schnell klar, dass eigene Erlebnisse mit hineinspielen. Anschaulich zeigte sie uns beim Lesen, wie der DJ in der Milchbar agiert (köstlich!), und von ihr aufgeschnappte, teils pikante, Wortfetzen der Party-Gäste, werden von ihr wörtlich wiedergegeben.
So etwas notiert sie sich im jeweiligen Fall sofort, ließ sie uns wissen.
Die Protagonistin der Erzählung will auf Norderney ein neues Leben anfangen. Früher war sie immer mit Oma dagewesen. Sie trifft sich nun mit Bekanntschaften aus dem Internet, und wir dürfen teilhaben an der amüsanten Schilderung der Autorin von deren Aussehen, nick-names und Verhalten. Dabei bedient sie sich sehr bildhafter Sprache.
Zum Beispiel: „strahlte wie ein Leuchtturm“, das haben wir so noch nicht gehört, diese Redensart, aber sie passt wunderbar ins Konzept.
Rita Roth versprach das Erscheinen einer Fortsetzung im Herbst dieses Jahres, und wir Zuhörer waren uns einig, auch das wird ein Erfolg!
Zum Abschluss hörten wir noch eine weitere 100-Wort-Geschichte und viel Applaus zeigte, wie angetan alle von dem gesamten Vortrag waren.
Begleitet wurde die Autorin von weiteren drei Mitgliedern der „Osnabrücker Ersttäter“.
Wir erfuhren, dass mehrere Krimi-Autoren sich unter dieser Bezeichnung zusammengeschlossen haben und sich regelmäßig zum Austausch treffen, so, wie wir es im Oldenburger Leseforum auch tun. Wir freuten uns sehr über diesen Besuch von „auswärts“ und wir bleiben gewiss in Kontakt.
Hanna Seipelt
 
 
 

Bericht vom Leseabend mit Karl-Heinz Knacksterdt vom 8. August 2017 

erstellt von Hannelore Begerow, Fotos Rolf Glöckner 

Der Leseabend vom 8. August 2017 mit Karl-Heinz Knackstedt war gut besucht. Der Autor las aus seinem Buch „Die wunderbaren Existenzen von Adam und Eva“, dem dritten und letzten Band seiner Trilogie „Große Frauen der Bibel“. Er geht sehr phantasievoll mit den Gestalten aus der Schöpfungsgeschichte um, weit über die biblischen Texte hinaus, was Zeit und Raum des Geschehens betrifft. 
Einfühlsam schildert er, wie Adam, der Mensch, und Eva, das Leben, einander im Paradies Existenz entdecken aber leider Eva auf die Schlange hört. So verlieren sie ihre erste Existenz.
Sie werden fortgespült in eine reale Welt, in der sie sich eine Existenz aufbauen und dort gerne mit ihren Söhnen leben. Eva leidet sehr, als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hat und will nicht weiter mit Adam und Seth leben. Sie geht fort aus deren Welt und erlebt viele Abenteuer, von denen der Autor aus Zeitgründen leider nicht mehr berichten kann. Doch Eva kehrt zurück. 
Adam und Eva sind nun im Heute angelangt. Adam ist Angestellter der Stadt Hildesheim und führt Touristen zu allen Sehenswürdigkeiten. Am Abend trinken sie zum Abschluss in Evas Lokal ein Bier. Dabei erzählt Adam ihnen dann die Geschichte von ihren drei Existenzen. Knackstedts Eva muss eine sehr interessante Frau sein!

  

Fotos: Rolf Glöckner

Moderation Hanna Seipelt

Lesung im Lesefoum, 11. Juli 2017

Bei der Juli-Lesung im Leseforum war Hannelore Begerow zu Gast, die aus ihrem autobiografischen Roman „Hanna mit der Hand“ las.

Zunächst berichtete die Autorin die Entstehungsgeschichte des Buches. Nach dem Fall der Mauer fuhren sie und ihr Mann in die fünf neuen Bundesländer und begegneten dort einem Ehepaar, mit dem sie sich anfreundeten. Beide Frauen teilten das gleiche Schicksal – beide sind am gleichen Tag gleich nach dem Krieg mit der Mutter aus Westpreußen in den Westen geflohen. Die beiden tauschten ihre Geschichte in einem langen Briefwechsel aus und daraus entstand schließlich der Roman „Hanna mit der Hand“.

Hanna mit der Hand, das ist die Mutter der Autorin, die nach einem Unfall als Kind eine verkrüppelte Hand hat, eine Tatsache, die, so die Autorin, den Charakter der Mutter stark prägte, da sie immer darauf bedacht war, ihre Behinderung zu verstecken. Die Geschichte Hannas steht im Mittelpunkt des Romans, aber eigentlich ist es die Geschichte eines Kindes im Nationalsozialismus, im Krieg und in der Nachkriegszeit. Durch die Augen der kleinen Hannelore wird Alltagsgeschichte geschildert. Sei es, wie das kleine Mädchen dem Vater den gefüllten Henkelmann in die Fabrik bringt, wie die Wohnung der Familie in einer Kleinstadt am Rhein aussah, was ihre liebsten Spiele waren oder was man aus den Fenstern sehen konnte. Als ein Bruder geboren wird, kommt das kleine Mädchen für einige Wochen zur Großmutter nach Ostpreußen und als Leser erlebt man mit, wie sehr der kleinen Hannelore die Unterschiede zwischen Stadt und dem noch deutlich ärmlicheren Land auffallen.

Abschließend las Hannelore Begerow noch einen Abschnitt aus ihrem Buch, der sich mit Oldenburg in der Nachkriegszeit beschäftigt. Nach der geglückten Flucht geht die kleine Hannelore zum ersten Mal in die völlig überfüllte Cäcilienschule, wo einige der Lehrer den Flüchtlingen gegenüber große Vorbehalte haben. Hannelore aber beschließt, diesen Lehrern zu beweisen, dass auch Flüchtlingskinder etwas zu lernen in der Lage sind.

Das Buch „Hanna mit der Hand“ ist 1992 entstanden und bislang leider nicht veröffentlicht worden.

Bericht: Marlies Folkens 

 

 

Moderation Manfred Brüning

Lesung am 09.05.2017 im Mephisto

Maren Bohm, eine Autorin aus Bremen war im Leseforum zu Gast. Schon schnell war klar, es wird ein besonderer Abend. Allein die Verwandlung der modern gekleideten Autorin in eine historische Persönlichkeit vermittelte den Eindruck,  in eine andere Zeit einzutauchen. Eine Zeit, die wir uns kaum vorstellen können.

Die Autorin führte uns in das Jahr 1099 zurück. Mit dem Buch „Die Rückkehr der Pilgerin“  setzte sie ihren Roman „Die Pilgerin von Passau“ fort, der im Jahr 1096 angesiedelt war.  Neben Lesepassagen aus dem neueren Werk schilderte sie eingehend die verhängnisvollen Ereignisse, die alle historisch hinterlegt sind.  Auch die meisten Personen ihrer Erzählungen haben tatsächlich gelebt.

Ein Kreuzzug, der grausamer kaum sein konnte,  bildet die Grundlage beider Bücher, in der sich Alice, eine anfangs 15-jährige Kaufmannstochter in Graf Bernhard von Baerheim verliebt und eine Affäre mit ihm beginnt, die zu einem gemeinsamen Kind führt. Eine Heirat zwischen Adeligen und Bürgerlichen war seinerzeit ausgeschlossen.

Alice verliert während eines grausamen Überfalls ihr Kind und nimmt ein fremdes als ihr eigenes an.  Bernhard wird grausam ermordet.

Seinerzeit wurden Morde nie aufgeklärt, weil fast immer Aufträge Hochadeliger dahintersteckten, die das zu verhindern wussten.  Die Immunität war ihnen sicher.  Die Machtpolitik zwischen Papst und Kaiser sind Hintergrund der beeindruckenden Werke der Autorin.

Nach viel anerkennendem Applaus für die Autorin  wurden etliche Punkte aus dem Alltag der Autoren des Leseforums erörtert, die Hanna Seipelt in einem Protokoll zusammenfasste. 

Anita Jurow-Janßen

Fotos von Marlies Folkens